Website-Relaunch: Die vollständige 20-Punkte-Checkliste
Eine praxisnahe Checkliste für Strategie, Inhalte, SEO, Technik, Qualitätssicherung und Monitoring – damit ein Relaunch kontrolliert statt überraschend verläuft.
Von Lukas Hammel · Veröffentlicht am 19. Februar 2026 · Aktualisiert am 17. Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Relaunch ist kein reines Designprojekt: URLs, Inhalte, Messung, Formulare und Geschäftsprozesse müssen gemeinsam geplant werden.
- Ranking-Schwankungen lassen sich nicht vollständig ausschließen, aber mit URL-Mapping, permanenten Redirects und systematischem Monitoring deutlich begrenzen.
- Der Launch ist nicht das Projektende. Die ersten Wochen gehören Fehlerkontrolle, Indexierungsprüfung und der Auswertung realer Nutzungsdaten.
Inhalt
Vorbereitung: Ziele, Verantwortlichkeiten und Bestand
Ein Relaunch kann Design, Technologie, Informationsarchitektur, Inhalte und Domain gleichzeitig verändern. Je mehr Ebenen betroffen sind, desto größer wird das Risiko, dass funktionierende Teile der alten Website unbemerkt verloren gehen. Google empfiehlt bei größeren Umzügen, Änderungen nach Möglichkeit zu trennen und mit vorübergehenden Schwankungen zu rechnen. Für kleine und mittlere Websites ist ein gemeinsamer Wechsel trotzdem oft praktikabel – dann braucht er aber eine belastbare Bestandsaufnahme und einen klaren Rückfallplan.
1. Geschäftliche Ziele festlegen
Formulieren Sie zwei bis vier messbare Ziele: mehr qualifizierte Anfragen, bessere mobile Bedienbarkeit, weniger Pflegeaufwand, neue Leistungen oder bessere Auffindbarkeit. „Moderner aussehen“ ist ein Wunsch, aber noch kein überprüfbares Projektziel.
2. Verantwortlichkeiten bestimmen
Legen Sie fest, wer Inhalte freigibt, Redirects prüft, Tracking abnimmt, Datenschutz bewertet und am Launch-Tag entscheiden darf. Ein Relaunch scheitert häufig nicht am Code, sondern an ungeklärten Freigaben.
3. Alle bestehenden URLs erfassen
Exportieren Sie URLs aus Sitemap, CMS, Analytics, Search Console, Server-Logs und einem vollständigen Crawl. Nehmen Sie auch PDFs, Bilder und Kampagnen-Landingpages auf. Die meistbesuchten 20 Seiten allein reichen nicht, weil auch selten besuchte Seiten externe Links oder wertvolle Rankings besitzen können.
4. Inhalte und Leistung bewerten
Markieren Sie jede URL als behalten, überarbeiten, zusammenführen oder entfernen. Ergänzen Sie Daten zu Traffic, Suchanfragen, Conversions, Backlinks und fachlicher Aktualität. Diese Entscheidungsliste bildet die Grundlage für neue Navigation und Redirect-Mapping.
Konzept: Struktur, Inhalte, Technik und Messung
5. Neue Informationsarchitektur entwerfen
Ordnen Sie Inhalte nach den Aufgaben und Fragen der Besucher, nicht nach internen Abteilungen. Wichtige Leistungen sollten mit wenigen verständlichen Schritten erreichbar sein. Jede geplante Seite braucht einen eindeutigen Zweck und eine primäre Zielgruppe.
6. URL-Mapping erstellen
Ordnen Sie jeder alten URL eine passende neue URL oder einen bewussten 404-/410-Status zu. Google empfiehlt serverseitige permanente Redirects wie 301 oder 308 und warnt davor, viele unpassende Seiten pauschal auf die Startseite umzuleiten. Redirect-Ketten sollten vermieden werden; die alte URL soll direkt auf das endgültige Ziel zeigen.
7. Technologie nach Anforderungen auswählen
CMS, Framework und Hosting werden anhand von Redaktion, Integrationen, Sicherheit, Performance, Barrierefreiheit, Budget und verfügbarem Know-how gewählt. WordPress, Next.js, Shopify und andere Systeme lösen unterschiedliche Probleme. Eine seriöse Entscheidung beginnt mit Anforderungen, nicht mit einer Lieblingsplattform.
8. Messkonzept und Datenschutz planen
Definieren Sie Haupt-Conversions, unterstützende Ereignisse, Kampagnenparameter und benötigte Einwilligungen. Dokumentieren Sie den bisherigen Stand, damit Ergebnisse vor und nach dem Relaunch vergleichbar bleiben. Formulare, Consent-Banner, Analytics, Werbetags und CRM-Übergaben gehören in einen gemeinsamen Prüfplan.
Umsetzung: Mobile Nutzung, Inhalte, SEO und Performance
9. Kritische Nutzerwege zuerst gestalten
Beginnen Sie mit den wichtigsten Aufgaben: Leistung verstehen, Vertrauen aufbauen, Kontakt aufnehmen, Termin buchen oder Produkt kaufen. Testen Sie diese Wege früh auf kleinen Bildschirmen und mit Tastatur, nicht erst nach Fertigstellung des Desktop-Designs.
10. Inhalte vollständig migrieren und verbessern
Übernehmen Sie nicht nur sichtbaren Text, sondern auch Seitentitel, Überschriften, Alt-Texte, Downloads, Autorenangaben, interne Links und strukturierte Daten. Inhaltliche Kürzungen sollten bewusst erfolgen. Eine neue Gestaltung darf die beste Antwort einer bisherigen Seite nicht versehentlich entfernen.
11. On-Page-SEO sauber umsetzen
Jede indexierbare Seite erhält einen beschreibenden Title, eine klare H1, sinnvolle Zwischenüberschriften, eine eigenständige Meta Description und interne Links. Canonicals, hreflang-Angaben und Open-Graph-Daten müssen auf die neuen URLs zeigen. Strukturierte Daten werden nur verwendet, wenn sie zum sichtbaren Inhalt und zu einem unterstützten Typ passen. FAQ-Markup führt bei normalen Unternehmensseiten nicht automatisch zu FAQ-Rich-Results; Google zeigt diese regulär nur noch in stark eingeschränkten Bereichen.
12. Reale Core Web Vitals optimieren
Die aktuellen Core Web Vitals sind LCP, INP und CLS. Als gute Orientierungswerte nennt Google LCP bis 2,5 Sekunden, INP unter 200 Millisekunden und CLS unter 0,1 – jeweils auf Basis realer Nutzerdaten am 75. Perzentil. Lighthouse ist für Labortests hilfreich, ersetzt aber keine Felddaten aus Search Console oder CrUX. Ein perfekter Score ist kein Selbstzweck.
Qualitätssicherung vor dem Launch
13. Staging zuverlässig abschirmen
Entwicklungsumgebungen sollten nicht öffentlich indexierbar sein. Zugriffsschutz ist robuster als ein alleiniger noindex-Hinweis. Gleichzeitig muss dokumentiert werden, welche Sperren beim Launch entfernt werden – eine vergessene noindex-Anweisung kann die gesamte neue Website aus der Suche halten.
14. Funktionale Tests durchführen
Prüfen Sie Navigation, Suche, Formulare, Bestätigungs-E-Mails, Downloads, Buchungen, Zahlungen, CRM-Übergaben, Cookie-Einstellungen und Fehlermeldungen. Testen Sie verschiedene Geräte, Browser, Tastaturbedienung und langsame Verbindungen. Für jede kritische Funktion braucht es einen verantwortlichen Abnehmer.
15. Technischen SEO-Crawl vergleichen
Crawlen Sie die Staging-Seite und vergleichen Sie Soll- und Ist-Zustand: Statuscodes, indexierbare URLs, Titles, H1, Canonicals, interne Links, Bild-Alt-Texte und strukturierte Daten. Verwaiste Seiten und versehentliche Duplikate werden vor dem Launch behoben.
16. Backup und Rückfallplan vorbereiten
Sichern Sie alte Website, Datenbank, DNS-Einstellungen, Tracking-Konfiguration und Redirect-Liste. Definieren Sie, bei welchen Fehlern zurückgerollt wird und wer die Entscheidung trifft. Ein Backup ist erst wertvoll, wenn die Wiederherstellung geprüft wurde.
Launch-Tag: kontrolliert umstellen
17. DNS, Zertifikate und Redirects aktivieren
Planen Sie den Wechsel in einer verkehrsärmeren Zeit und stellen Sie Ansprechpartner bereit. Nach der Umschaltung werden HTTPS, www-/non-www-Variante, Weiterleitungen und wichtige Serverantworten sofort geprüft. Alte URLs müssen auf die fachlich passende neue Seite führen; gelöschte Inhalte dürfen einen echten 404- oder 410-Status liefern.
18. Indexierung und Messung freigeben
Entfernen Sie Staging-Sperren und unbeabsichtigte noindex-Regeln. Prüfen Sie robots.txt, Canonicals, XML-Sitemap und Analytics in der Live-Umgebung. Reichen Sie die neue Sitemap in Search Console ein. Bei einem Domainwechsel wird zusätzlich das Adressänderungstool verwendet; bei einem reinen Design- oder CMS-Wechsel auf derselben Domain ist das nicht erforderlich.
Soforttest nach der Umschaltung
Startseite, wichtigste Leistungsseiten, Kontaktformular, eine alte umgeleitete URL, eine bewusst gelöschte URL, Sitemap, robots.txt, Consent und Conversion-Messung sollten innerhalb der ersten Minuten geprüft werden.
Nach dem Relaunch: beobachten, vergleichen, nachbessern
19. Fehler und Sichtbarkeit eng überwachen
Kontrollieren Sie in den ersten Tagen täglich Serverfehler, 404-Aufrufe, Redirects, Formularzustellung und Tracking. Search Console zeigt unter anderem Indexierungsprobleme und Core-Web-Vitals-Daten. Rankings und Traffic können vorübergehend schwanken, während Suchmaschinen neue URLs crawlen und verarbeiten. Einzelne Tageswerte sollten nicht überbewertet werden; kritische technische Fehler müssen dennoch sofort behoben werden.
20. Nach 30, 60 und 90 Tagen auswerten
Vergleichen Sie organische Klicks, wichtige Suchanfragen, qualifizierte Conversions, Nutzerwege und Seitenleistung mit einer sinnvollen Periode vor dem Relaunch. Berücksichtigen Sie Saison, Kampagnen und Marktentwicklung. Seiten mit deutlichen Verlusten werden einzeln geprüft: Fehlt relevanter Inhalt? Ist die Suchintention verändert? Gibt es Redirect-, Canonical- oder interne Verlinkungsprobleme?
Der Relaunch ist erfolgreich, wenn die neue Website ihre Geschäftsaufgabe besser erfüllt und technisch stabil betrieben werden kann. Eine kurzfristige Designabnahme allein beweist das nicht. Deshalb gehören Optimierungsbudget und feste Review-Termine bereits in den ursprünglichen Projektplan.
Quellen und weiterführende Informationen
Fachstand geprüft am 17. Juli 2026. Externe Links öffnen in einem neuen Tab.
- How to move a site — Google Search Central
- Understanding Core Web Vitals and Google search results — Google Search Central
- Intro to how structured data markup works — Google Search Central
- Changes to HowTo and FAQ rich results — Google Search Central
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